Ägypten arbeitet an der Ausweitung seiner Stromverbindungsnetze mit den Ländern der Region im Rahmen von Plänen zur Stärkung der regionalen Zusammenarbeit im Energiesektor. So bereitet das Land den Bau eines neuen Seekabels nach Jordanien mit einer Kapazität von bis zu 2000 Megawatt vor, um ab 2029 Strom in den Irak, nach Syrien und in den Libanon zu exportieren. Dies bestätigte ein ägyptischer Regierungsbeamter und wies darauf hin, dass sich das Projekt noch in der Phase der technischen Studien befindet.
Diese Initiative folgt auf den jüngsten Besuch des ägyptischen Premierministers Mostafa Madbouly in der jordanischen Hauptstadt Amman, wo er mit seinem jordanischen Amtskollegen die Perspektiven der Zusammenarbeit im Energiesektor erörterte – allen voran die Weiterentwicklung der bestehenden Stromverbindung zwischen beiden Ländern und deren Ausweitung auf andere Staaten der Levante.
Derzeit beträgt die Übertragungskapazität der Stromverbindung zwischen Ägypten und Jordanien 500 Megawatt über ein seit 1999 in Betrieb befindliches Seekabel mit einer Spannung von 400 Kilovolt. Kairo und Amman streben an, diese Kapazität in den kommenden Jahren auf 2000 Megawatt zu erhöhen. In diesem Zusammenhang erklärte der ägyptische Minister für Elektrizität und erneuerbare Energien, Mahmoud Essmat, bereits zuvor, dass die Koordination zwischen den beiden Ländern auf die Umsetzung dieser Erweiterung im Rahmen der Pläne der ägyptischen Regierung zur Ausweitung der Energieexporte ausgerichtet sei.
Das neue Projekt soll nach Angaben des Beamten von der Stadt Taba am ägyptischen Ufer des Golfs von Aqaba ausgehen und sich über das Rote Meer bis nach Jordanien erstrecken – mit einer anfänglichen Kapazität von 2000 Megawatt. Die Umsetzung dürfte etwa 30 Monate dauern, nachdem die technischen Studien abgeschlossen und die Arbeiten offiziell aufgenommen worden sind.
Das ägyptische Energieministerium plant, noch vor Ende 2025 eine Ausschreibung für die Auswahl eines internationalen Beraters zu starten, der die projektspezifischen Studien gemäß internationalen Standards erstellt. Diese sollen etwa sechs Monate in Anspruch nehmen und mit rund einer Million US-Dollar veranschlagt werden.
Parallel zu diesem Projekt treibt Ägypten die Verstärkung seiner Stromverbindungen mit weiteren Ländern voran. So wird derzeit ein Großprojekt mit Saudi-Arabien mit einer Gesamtkapazität von 3000 Megawatt umgesetzt, das in zwei Phasen realisiert wird. Die erste Phase soll bereits im Sommer dieses Jahres mit einer Kapazität von 1500 Megawatt ans Netz gehen.
Kairo setzt darauf, dass diese Projekte dazu beitragen werden, das Land zu einem regionalen Knotenpunkt für den Stromexport zu machen – gestützt auf den Produktionsüberschuss aus den massiven Investitionen in Kraftwerke der vergangenen Jahre. Zudem sieht die Regierung darin einen Beitrag zur Stabilisierung der Stromnetze in der Region und zur Bereitstellung von Energiealternativen für Länder, die unter gravierenden Versorgungsengpässen leiden.