Die katarische Regierung verfolgt einen ehrgeizigen Plan, die Hauptstadt Doha in ein führendes Finanzzentrum im Nahen Osten zu verwandeln. Dazu bietet sie eine Reihe von Anreizen für internationale Finanzunternehmen an, insbesondere für solche mit Verbindungen zur Wall Street.
Laut offiziellen Angaben umfassen diese Anreize finanzielle Unterstützung zur Modernisierung der Unternehmenssitze in der Stadt sowie staatliche Angebote zur Übernahme eines Teils der Gehälter, falls Unternehmen ihre Aktivitäten in Katar ausweiten.
In diesem Zusammenhang erklärte Scheich Ali Al-Walid Al-Thani, Geschäftsführer der Behörde „Invest in Qatar“, dass Katars Strategie auf der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit basiert. Das Programm ziele darauf ab, vorrangige Sektoren wie Vermögensverwaltung, Versicherungen und Finanztechnologie zu fördern.
Teil der Strategie ist die Einführung des sogenannten „Lusail Financial Services Package“, das Teil einer größeren Initiative im Umfang von einer Milliarde US-Dollar ist. Die Regierung kann darüber bis zu 40 % der lokalen Investitionskosten über die nächsten fünf Jahre abdecken. Ziel ist es, Unternehmen zu ermutigen, Büros in der Stadt Lusail zu eröffnen, dem wichtigsten Finanz- und Geschäftszentrum des Landes.
Laut informierten Quellen wird erwartet, dass der Qatar Investment Authority (QIA) – mit Vermögenswerten von rund 524 Milliarden US-Dollar – eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Initiative spielen wird. Der Staatsfonds soll insbesondere Private-Equity- und Infrastrukturfonds zur Expansion nach Katar bewegen und dabei von seinem Gewicht als globaler Investor profitieren.
Auf dem Katar-Wirtschaftsforum, das im Mai stattfand, verwiesen Regierungsvertreter auf intensivere Gespräche mit internationalen Großunternehmen wie „Blackstone“ und „Brookfield“, um ein investitionsfreundliches Umfeld zu schaffen. Das britische Unternehmen „Ashmore Group“, spezialisiert auf Schwellenmärkte, kündigte zudem an, ein Büro in Katar zu eröffnen – ein Schritt, der an eine frühere Ankündigung von „Global Infrastructure Partners“, einer Tochtergesellschaft von „BlackRock“, anknüpft.
Diese Bemühungen erfolgen vor dem Hintergrund eines zunehmenden regionalen Wettbewerbs mit etablierten Finanzzentren wie Dubai, Abu Dhabi und Riad, die ebenfalls attraktive Anreize für internationale Investoren bieten. Katar betont jedoch, dass es einen flexibleren Ansatz zur Gewinnung ausländischer Unternehmen verfolgt – im Gegensatz zu Nachbarländern, die regionale Lizenzen oft an lokale Vertragsauflagen knüpfen.
Doha versucht, vom Schwung globaler Großereignisse zu profitieren, insbesondere von der Fußball-Weltmeisterschaft 2022, die von Wirtschaftsexperten als Chance zur Stärkung der internationalen Position Katars angesehen wird. Zudem setzt das Land auf die Ausweitung seines Engagements in den Bereichen Messen und Konferenzen, um den Wirtschafts- und Medizintourismus zu fördern und Geschäftsleute aus aller Welt anzuziehen.
Erwähnenswert ist auch, dass Katar kürzlich ein „Fund of Funds“-Programm über seinen Staatsfonds gestartet hat, um Frühphasenfinanzierungen für Risikokapitalfirmen bereitzustellen und sie zur lokalen Investition zu ermutigen. Mehrere internationale Unternehmen haben bereits damit begonnen, ihre Präsenz auf dem katarischen Markt aufzubauen – ein deutliches Zeichen für das wachsende Interesse an den gebotenen Chancen im Land.




